Das neue Elterngeld-Plus - Für wen ist es hilfreich, was muss man bedenken?



Immer zum Ende des Jahres durchforsten mein Mann und ich unsere Unterlagen und Anträge. Es wird hier sortiert und dort weggeheftet und für das kommende Jahr eine Liste gemacht, was wir an Anträgen noch nachreichen oder neu beantragen müssen. Manchmal ist es gar nicht so einfach, bei all den Unterlagen und Änderungen noch einen Überblick zu behalten. 



Seit dem 1. Juli 2015 gibt es nun auch eine Änderung bei dem Elterngeld, denn das Elterngeld-Plus ist hinzugekommen. Das Elterngeld-Plus ist vor allem für die Eltern gedacht, die beide nach der Geburt des Kindes schneller wieder arbeiten gehen wollen oder müssen.

Ich selber habe nach meinem Studium in meinem Beruf gearbeitet, mit der Geburt der Kinder war für uns aber klar, dass ich jedes meiner Kinder drei Jahre lang zu Hause betreue. Zwei Jahre lang habe ich das halbierte Elterngeld gezahlt bekommen. Danach hab ich angefangen am Abend im Home Office das Familieneinkommen zu unterstützen. Erst wenn mein Sohn mit drei Jahren Vormittags in den Kindergarten geht, werde ich meinen Stundenumfang erhöhen und auch am Vormittag zusätzlich arbeiten.

Diese Möglichkeit des abendlichen Home Office ist nicht allen gegeben und wer (aus den verschiedensten Gründen) bereits vor dem ersten Geburtstag des Kindes wieder arbeiten möchte oder muss, sollte sich mit dem neuen Elterngeld-Plus (hier) befasst haben. Vor allem für Alleinerziehende, Selbständige und junge Eltern, die sich gemeinsam um die Betreuung des Kindes kümmern wollen, hat sich die Unterstützung geändert.

Eltern, deren Kinder ab dem 1. Juli 2015 geboren werden, können Elterngeld, das neue ElterngeldPlus und einen Partnerschaftsbonus miteinander kombinieren. So ist es möglich, dass beide Elternteile bereits vor dem ersten Lebensjahr des Kindes wieder Teilzeit arbeiten gehen können, jedoch für das Kind nur zwei Tage die Woche eine Fremdbetreuung nötig ist, zum Beispiel durch die Großeltern.

Eigentlich bleibt das Grundprinzip des Elterngeldes wie bisher. Man kann entscheiden, ob man 12 Monate das volle Elterngeld oder (wie ich) 24 Monate das halbe Elterngeld bekommt. Für Eltern, die zusätzlich in Teilzeit arbeiten, gibt es jedoch länger finanzielle Unterstützung als bisher.

Ich habe für Euch hier mal eine Übersicht über die drei Unterstützungsmöglichkeiten, die man beantragen und miteinander kombinieren kann.

Das Elterngeld (Basiselterngeld): Wie bisher bekommt man 65 % des Nettoeinkommens der letzten zwölf Monate des Gehaltes, mit einer Grenze von mindestens 300 €uro und maximal 1800 €uro im Monat. Das Basiselterngeld kann man für 12 Monate (ganz) oder für 24 Monate (halbiert) beantragen.

Das neue Elterngeld Plus: Ist gültig für alle Kinder, die nach dem 1. Juli 2015 geboren wurden und deren Mütter noch vor dem ersten Lebensjahr wieder in Teilzeit arbeiten gehen wollen. Das Elterngeld wird dann zu der Teilzeitstelle (die 30 Stunden nicht überschreiten darf) für 24 Monate  jeden Monat zur Hälfte ausgezahlt.

Der Partnerschaftsbonus: Betreuen beide Eltern das Kind und arbeiten gleichzeitig vier Monate lang in Teilzeit, benötigen sie für eine Fremdbetreuung nur 2 Tage und erhalten zusätzlich pro Person vier Monate Elterngeld Plus ausgezahlt. Je nachdem, wann man mit dem Elterngeld Plus beginnt, kann man den Zeitraum so auf bis zu 3 Jahre strecken, in dem man Teilzeit arbeiten kann und finanziell unterstützt wird. Den Partnerschaftsbonus über vier Monate bekommen auch Alleinerziehende, wenn sie mindestens vier Monate lang  25 bis 30 Stunden in Teilzeit gearbeitet haben. Jedoch sollte man hier die Doppelbelastung von Beruf und alleinerziehend nicht außer Acht lassen.  

Quelle: http://www.elterngeld-plus.de/fileadmin/templates/pdf/broschuere_elterngeldplus.pdf

Da man alle drei Modelle auch miteinander kombinieren kann und es bekanntlich bei solchen Dingen kompliziert wird, ist es wichtig sich rechtzeitig bei der jeweiligen Elterngeldstelle nach der besten Möglichkeit für sein Familienmodell beraten zu lassen. Dabei sollte man sich vorab schon ein paar Informationen bereit legen, wie die Gehälter, die steuerliche Eingruppierung, den zeitlichen Umfang der Elternzeit und dem eigenen Lebensmodell (alleinerziehend, selbstständig, Betreuungsplatz gewollt und schon vorhanden usw.?).


(Hier) findet Ihr auch eine Anleitung für den Elterngeldrechner, bei dem ihr Euch vorab mit Euren individuellen Angaben informieren könnt.

Bei all den finanziellen Unterstützungsmodellen finde ich es aber wichtig, sich vorher gemeinsam zu überlegen, ob eine frühe Fremdbetreuung des Kleinkindes wirklich notwendig ist. Krippen- und Tagesmütterplätze sind schwer zu bekommen und teurer als die späteren Kindergartenplätze. Daher wird ein Großteil des Elterngeld-Plus und Gehaltes für die Fremdbetreuung genutzt werden müssen, außer man schafft es, das Zwei-Tage-Modell mit beiden Elternteilen umzusetzen oder die Großeltern für eine (kostenlose) Betreuung zu gewinnen.
Dazu denke ich, dass gerade in den ersten drei Jahren Kinder ihre Eltern und eine enge Betreuung ihren Bedürfnissen entsprechend brauchen. Man sollte sich überlegen, ob es zwingend notwendig ist, auf diese kostbare Zeit mit seinem Kleinkind verzichten zu wollen. Hat man das Basiselterngeld und betreut sein Kind zu hause, sind die finanziellen Abzüge gegenüber dem vorherigen Gehalt (zumindest für 24 Monate) mit ein paar Einschränkungen gut zu überbrücken. 


Nun habe ich für Euch noch ein paar Links zu dem Thema Elterngeld-Plus zusammengefasst:

  • Alle Informationen rund um das Elterngeld-Plus findet Ihr (hier
  • Den Familien-Wegweiser (Elterngeld-Plus und flexiblere Elternzeit) des BMFSFJ findet Ihr (hier)
  • Ein FAZ Artikel zum Thema: „Mehr Geld für junge Eltern“ (hier
  • Beim Spiegel Online den Artikel „Kombinieren Sie, das neue Elterngeld Plus“ (hier

Bis bald,
 


Dieser Post entstand mit freundlicher Unterstützung
 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Kommentare:

  1. Guten Abend liebe Tanja, mit dickem Babybauch verfolge ich das neue Elterngeld-Plus gerade mit großem Interesse und ich bin dankbar über jede Information und jeden Link mit weiteren Informationen dazu. Deinen Denkanstoß mit der Fremdbetreuung des kleinen Kindes finde ich auch sehr gut, vielen Dank für Deine Gedanken dazu. Wenn hier zwischen den Feiertagen etwas mehr Ruhe ist, werde mein Mann und ich uns mal in Ruhe zusammensetzen.

    Ganz schöne Weihnachten für Euch, Sabrina

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  2. Liebe Tanja,
    das ist schon der Wahnsinn was sich das die letzten Jahre getan hat. Mich betrifft es ja schon lange nicht mehr ;-) doch du hast sicher einen interessanten Artikel für alle jungen Muttis geschrieben.
    Wünsche dir ein schönes Weihnachtsfest.
    Herzliche Grüße,
    Manuela

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