Ein tolles Interview mit der Fernsehköchin und Autorin Sarah Wiener


Schon eine ganze Weile wollte ich wieder ein Interview machen, am liebsten mit der Fernsehköchin und Autorin Sarah Wiener! Aber so richtig habe ich mich nicht getraut, sie zu fragen. 

Dann sah ich ein Bild von ihr, wie sie bei der didacta Messe den Stand der Waldorfschulen besucht hat, denn sie selber war Waldorfschülerin. In dem Moment war meine Scheu überwunden und ich habe mich riesig gefreut, als Sarah Wiener dem Interview dann zugestimmt hat. 

Sarah Wiener wurde 1962 in Halle (Westfalen) geboren und verbrachte eine außergewöhnliche Kindheit und Jugend bei ihrer Mutter in Wien. Zuerst ging Sie auf eine Waldorfschule, später auf ein Mädcheninternat, dass sie vorzeitig beendete. Nach einer Reise durch Europa zog sie zu ihrem Vater nach Berlin, der dort mehrere Restaurants führte und lernte die Liebe zum Kochen und Backen kennen. 

Quelle: Fotograf: Lukas Barth

Auch ohne Schulabschluss und Berufsausbildung ist die berühmte TV-Köchin einen beeindruckenden Weg gegangen, wurde Inhaberin mehrerer Restaurants, führt ein Event-Catering Service, die Holzofenbäckerei Wiener Brot in Berlin und hat eine Vielzahl von Kochbüchern veröffentlicht. Seit 2007 geht Sarah Wiener mit dem französischen Kochsender arte und dem österreichischen Sender ORF zusammen auf kulinarische Reise. Mit ihrem Brandenburger Gut Kerkow erfüllte sie sich ihren Lebenstraum von der biologischen Landwirtschaft. Im Hofladen und Online Shop werden unter anderem selbst produzierte Fleisch- und Wurstwaren verkauft. 


Mich fasziniert nicht nur der besonderer Bildungsweg von Sarah Wiener, sondern auch ihr fester Standpunkt beim Kochen und Backen. Nachhaltig, frisch, biologisch, regional und saisonal sollten die Lebensmittel sein. Dazu unkomplizierte Rezepte, statt Fertigessen und Fast Food! Sie ist für eine artgerechte Tierhaltung und gegen Genfood


Vor allem die gesunde Ernährung von Kindern ist ihr wichtig. In „Sarah und die Küchenkinder“, lernten Kinder aus unterschiedlichsten Ländern vier Wochen lang mit ihr zusammen das Kochen in der Provence. Es gibt ein interaktives Kochspiel von ihr und seit 2007 ist sie Schirmherrin der Sarah Wiener Stiftung „Für gesunde Kinder und was Vernünftiges zu essen“, deren Gründungsmitglieder unter anderem auch Starkoch Alfred Biolek und der Demeter e.V. sind. Die Stiftung startete Anfang 2016 gemeinsam mit der Barmer Krankenkasse Deutschlands größte Ernährungsinitiave „Ich kann kochen!“ 

Quelle: Kenwood Austria

Liebe Frau Wiener,
ganz herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit für mein Interview nehmen. Sie haben eine außergewöhnliche Kindheit und Jugend gehabt und nur langsam die Liebe zum Kochen für sich entdeckt.

1) Wer oder was hat ihre Ernährung in Ihrer Kindheit beeinflusst? So wie bei allen Kindern: die Bezugspersonen, die Umgebung und die Zeit. Als ich klein war, waren Fertigprodukte noch sehr teuer. Für uns - wir waren eine arme Familie - im Nachhinein ein großes Glück. Heute ist es umgekehrt: minderwertige industriell gefertigte Nahrungsmittel überschwemmen den Markt. Frisch, regional und ökologisch angebaute Lebensmittel können sich viele nicht mehr leisten. 


2) Hatten Sie als Kind ein besonderes Lieblingsgericht? Und kochen Sie dieses Lieblingsgericht heute noch selber?
Mein erstes selbstgekochtes Gericht war Grießbrei. Den mag ich noch heute. Allerdings esse ich ihn sehr selten, weil ich oft nicht auf die Idee komme schnell einen zu machen.

3) Gab es einen Schlüsselmoment, in dem Sie spürten, dass Sie besonders gut kochen können? Nein, den Moment gab es nicht. Es machte Spaß, die Leute wollten mehr und lobten mich und ich konnte plötzlich meinen Unterhalt damit verdienen. 

4) Welchen Berufswunsch hatten Sie, bevor Sie Köchin wurden? Als Kind wollte ich Schauspielerin und Gärtnerin werden.

5) Obwohl die Kochshows seit Jahren im Fernsehen boomen, habe ich das Gefühl, dass viele junge Menschen nicht gerne selber kochen. Denken Sie das auch? Ich erlebe schon, dass auch viele junge Leute, gerade Männer sehr gerne und sehr gut kochen. Allerdings ist das leider in der Tat nicht die Mehrheit. Wir leben in rasanten Zeiten, wo Kochen uns als Last und Arbeit verkauft wird, die man lieber an eine Industrie delegiert. Dabei ist Kochen Glück, Sinnlichkeit und tiefe Befriedigung.

6) Wenn ja, was glauben Sie, woran es liegt? 
Wie gesagt, die Lobby der Nahrungsmittelindustrie, deren Produktion, die Werbung, aber auch unser Alltag, der die einen zum Nichtstun verdammt und die anderen in eine sich immer schneller drehende Wettbewerbsspirale zwingt, lässt uns wenig Raum für Muse, Genuss und Achtsamkeit.

7) Was wünschen Sie sich, wenn Sie heutzutage an Kinder und Kochen denken? Raus in die Natur, ran an den Herd, das Essen in Ruhe mit Freunden genießen.

8) Wie wichtig sind wir Eltern als Vorbilder beim Kochen und Essen? Wenn wir die Kochkultur nicht mit Zähnen und Klauen verteidigen, was werden unsere Enkel dann eines Tages essen und wonach können sie dann überhaupt noch Sehnsucht haben? Eltern sind Vorbild und stellen lebenslange Weichen. 


9) Und was können die Erzieher und Lehrer unterstützen?
Wenn Eltern selbst nicht mehr kochen können, überfordert sind oder keine Zeit haben, sollte der Staat allen Kindern gleiche Chancen einräumen und dann in Kitas und Schulen Kochkurse lehren. Das verbindet Lehrer und Schüler nochmals ganz anders.

Genau hier setzt ja meine Stiftung an: wir bilden Lehrer, Erzieher und Pädagogen in eintägigen Fortbildungen zu sogenannten Genussbotschaftern aus, damit sie im Anschluss an ihren Schulen und Kitas selbst Koch- und Ernährungskurse anbieten können. Jeder kann mitmachen! Auf der Website www.ichkannkochen.de gibt’s weitere Infos.

10) Ihre Stiftung bietet deutschlandweit auch Führungen auf Bauernhöfen für Kindergärten und Schulen an. Was lernen die Kinder dort? Die Kinder sehen, wie Lebensmittel wachsen, geerntet und verarbeitet werden und können aktiv dabei mithelfen. Die geernteten Lebensmittel kochen und essen sie dann auch gemeinsam. Denn nur wer weiß was er isst, kann Respekt und Wahlfreiheit erlangen. Im Garten oder auf dem Feld erdet man sich wieder und spürt sich selbst. 


11) Stadt- oder Landleben, was gefällt Ihnen besser?
Eigentlich das Landleben. Aber da ich doch mehr in Städten lebe, fragen sie mich lieber noch einmal in zehn Jahren.

12) Gibt es einen Herzenswunsch, den Sie sich noch nicht erfüllt haben? Es gibt noch einige Wünsche, und es kommen hoffentlich auch noch ein paar dazu. Die müssen aber nicht alle auf Biegen und Brechen erfüllt werden. Wir sind doch alle sehr privilegiert. So allgemein würde ich mir mehr Teilhabe und Solidarität und Ernährungsgerechtigkeit unter den Menschen und Völkern wünschen. Mehr Respekt vor den Geschöpfen, ob Pflanze, Tier oder Mensch. Und ich persönlich denke auch, dass es auf der Welt keine Milliardäre braucht. Du kannst jeden Tag nur einmal satt werden. 

Ich danke Ihnen ganz herzlich für das Interview und wünsche Ihnen für Ihren weiteren Weg, den ich gespannt verfolgen werde, alles Liebe und Gute.

***

Und ich hoffe, Euch hat das Interview genauso gut gefallen wie mir. Besonders, die Antworten 7 und 8 haben mich sehr berührt!  

Hier findet Ihr noch ein paar tolle Kochbücher von Sarah Wiener*.

 

Und gerade ist auch die Neuauflage von Zukunftsmenü erschienen: 



Bis bald, 


(Dieser Post enthält Affiliate Link)

Kommentare:

  1. Hallo Tanja
    Danke für den tollen Bericht über das Interview. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Gespräch sehr interessant war.
    Ich mag Sarah Wiener, sie ist sehr sympathisch. Mir gefällt, wie sie sich dafür einsetzt, dass Kinder vernünftiges Essen bekommen und lernen wo es herkommt und zubereitet wird.
    Liebe Grüße
    Karin

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    1. Sehr gerne liebe Karin, ich finde sie auch sehr sympathisch. Und Ihr Ansatz ist einfach klasse!

      Ganz liebe Grüße, Tanja

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  2. Was für ein sympathischer Mensch. Danke für das Interview, lg Frances Aus Leipzig

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    1. Sehr gerne liebe Frances. Ich freue mich, dass es Dir auch so gefällt.

      Liebe Grüße, Tanja

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  3. Oh, ich wusste gar nicht, dass die Frau Wiener hier bei mir um die Ecke das Licht der Welt erblickt hat! Das macht sie natürlich gleich noch sympathischer als sie mir eh schon war.
    Mich hat besonders die letzte Antwort nochmals sehr ins Nachdenken gebracht.
    Liebe Grüße vom
    Gernfrischkochenden LandEi

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    1. Hallo liebes Landei, ja, da hast Du recht! Die Antwort stimmt mich auch gerade sehr nachdenklich.

      Liebe GRüße, Tanja

      Ps. Was macht unser Treffen?

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  4. Ein schönes Interview!
    Ich habe sie das erste mal erlebt im Fernsehen wo sie 100 Jahre zurück in der Zeit geht, und da dann die Köchin ist. Das war so cool!!
    Danach habe ich öfters was über sie gesehen, was mir imeer sehr gefiel! Als wir in der Bretagne waren, lag in unser Ferienhäuschen ein Buch von ihr; sie war bei unsere Gastgeberin gewesen und mit ihr gekocht: Krabben und Miesmuscheln. Das fand ich echt witzig! (Buch: meine kulinarische Reise durch Frankreich)
    Ich will gerne mal zu ihr Restaurant gehen.
    Einen lieben Gruß,
    Johanna

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  5. Sehr sympathisch... Danke,für das Interview.Von ihrer Stiftung wusste ich noch gar nichts. Toll, dass sich so für gesunde Ernährung eingesetzt wird.Lieben Gruß Antje aus Ostfriesland

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♥ Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich freue mich sehr darüber ♥