Was sind eigentlich Kindergebärden?

Was sind eigentlich Kindergebärden?


{Gastbeitrag}

Birgit Butz hat die Welt der Kindergebärden kennen- und lieben gelernt, als ihr Sohn Ben Baby- und Kleinkind war. Um die Idee der Kindergebärden als begeisterte Mutter zu verbreiten, hat sie die Webseite sprechende-haende – jetzt  www.kindergebaerden.info – im Jahr 2008 online gestellt.

Obwohl Ben längst keine Kindergebärden mehr nutzt, postet Birgit Butz regelmäßig im Blog der Webseite, bei Facebook und Instagram Ideen, wie Kindergebärden spielerisch im Alltag von Babys und Kleinkindern gezeigt werden können.


Ich zeige meinem Sohn die Gebärde "Hase"


Zusammen mit Anna-Kristina Mohos, eine Gebärdensprachdolmetscherin aus Potsdam, hat Birgit Butz zwei Bücher für den pädagogischen Fachverlag Ökotopia geschrieben: „Singen, spielen, erzählen mit Kindergebärden(Partnerlink) und „Frühling, Sommer, Herbst und Winter mit Kindergebärden(Partnerlink)

Im eigenen Verlag Kindergebärden hat das Autorinnen-Duo bisher drei Pappbilderbücher veröffentlicht: „Otto spielt“, Otto geht spazieren“ und „Otto kauft ein(Partnerlinks).

 

Was sind Kindergebärden?

Seit Generationen werden Fingerspiele und Lieder mit Handzeichen begleitet, die die sinntragenden Wörter (Schlüsselwörter) herausheben. Diese Zeichen sollen die Worte verdeutlichen. Oft unterscheiden sich jedoch die Handzeichen bei den unterschiedlichen Fingerspielen und Liedern. Außerdem gibt es nur wenige überlieferte Handzeichen, die Lebensmittel, Personen, Tiere oder Farben verbildlichen. Statt ausgedachter Handzeichen, können wir zur visuellen Betonung der Schlüsselwörter des Reimes Gebärden der Deutschen Gebärdensprache nutzen.

Doch nicht nur beim Spiel von Fingerversen können wir Gebärden nutzen. Auch im Gesprächsalltag mit Babys und Kleinkindern können wir unsere Worte mit den passenden Gebärden betonen. Wir nennen diese Form der zusätzlichen visuellen Kommunikation Kindergebärden.


Mit Kindergebärden können Kinder ausdrücken, was sie beschäftigt:

Ben fragt , WO seine Katze ist.

Welche Vorteile haben Kindergebärden?


Wenn regelmäßig die Wörter, die im Alltag deines Kindes die größte Rolle spielen, durch eine Gebärde begleitet werden, versteht dein Kind im Laufe der Zeit, dass Gegenstand bzw. Tätigkeit, das gesprochene Wort und die Kindergebärde im Zusammenhang stehen. Es beginnt, Kindergebärden aktiv zu benutzen.
So erhältst Du einen Einblick in die Gedankenwelt deines Kindes – lange bevor es sich mit Worten mitteilen kann.

Wenn Ben als Kleinkind mit einem „Fragezeichen im Gesicht“ herumging, wusste ich sofort, was er vermisst:
Er suchte seine MILCHflasche oder seine KuschelMAUS.
Mit der Kindergebärde, die er nutzte, konnte ich es sehen und ihn bei der Suche unterstützen.

Dieses Beispiel verdeutlicht zwei Dinge:

Es zeigt, wie ein Einblick in die Gedankenwelt eines Kindes aussehen kann.

Außerdem zeigt es, dass man als Erwachsener viel aufmerksamer sein Kind be(ob)achtet, damit wir auf seine Gebärden mit Worten und Taten reagieren können.
Diese Aufmerksamkeit fördert die Bindung zwischen dir und deinem Kind.



Doch auch auf weitere Art wird die Aufmerksamkeit und Bindung durch Kindergebärden gestärkt.

Wenn du deinem Kind Kindergebärden nahe bringen willst, wendest du dich deinem Kind beim Sprechen zu, damit es deine Handbewegung sieht, und nimmst Blickkontakt auf. Zuwendung und Blickkontakt sind wichtige Bausteine für die Sprachentwicklung.

Am Anfang der Sprachentwicklung kann dein Baby Wörter und Wortgrenzen noch nicht eindeutig erkennen und unterscheiden.

Da beim Gebärden das Schlüsselwort besonders betont wird und es durch den Bewegungsablauf der Gebärde hervorsticht, fällt es Kindern leichter, Wörter und ihre Grenzen zu erkennen.

Wenn du dein Kind z. B. wie folgst ansprichst:
„Oh, guck mal, mein Schatz, so ein leckerer Apfel! Möchtest du den essen?“, wird das Gesprochene beim Kind etwa wie folgt ankommen:

„ohguckmalmeinschatzsoeinleckererapfel
möchtestdudenessen?"

Beim oben genannten Beispiel kann dein Kind mit Kindergebärden besser verstehen, was du ihm mitteilen willst:

„ohguckmalmeinschatzsoeinleckererapfelmöchtest
dudenessen?“ Begleitende Kindergebärden: Apfel essen


Integration von Kindergebärden im Alltag

 

Ein gutes Alter, um mit dem Zeigen von Kindergebärden zu beginnen, ist die Zeit zwischen dem 6. bis 9. Lebensmonat. Da jedes Kind individuell in seiner Entwicklung ist, solltest du auf Hinweise achten, die anzeigen, dass dein Kind bereit für Kindergebärden ist. 

Wenn dein Baby bereits Gesten wie „Winke-Winke“ nachahmt oder auf etwas zeigt, dann ist der Zeitpunkt da, mit der Einführung von Kindergebärden zu beginnen.

Kindergebärden zeigst du in ganz natürlichen Situationen des Alltags: Beim Essen, Anziehen oder Spielen, Singen und Betrachten von Bilderbüchern. Wichtig ist, dass du Gebärden für Dinge auswählst, die auch dein Kind interessant findet. 

Das kann z.B. die Gebärde für LICHT sein, das Lieblingsessen, ein Tier oder die Kindergebärde für MUSIK.
Eine Gebärde, die wir sehr lange und oft gezeigt haben, ist NOCH MAL. Nach einem Spiel auf der Wickelkommode, das Ben offensichtlich viel Spaß gemacht hat, habe ich gefragt, ob wir das Spiel NOCH MAL spielen wollen.

Später hat Ben die Gebärde übernommen und so gezeigt, wenn er ein Lied noch mal hören oder ein Buch noch mal betrachten wollte.


Eine große Anzahl an Kindergebärden und passenden Spielen, findet Ihr auf der Webseite "Sprechende Hände". Viel Spaß beim Ausprobieren. 

Vielen Dank für den schönen Gastbeitrag liebe Birgit.
Birgit Butz und Anna-Kristina Mohos

Hier findet Ihr noch mehr Artikel über die Gebärdensprache
von mir: 


 
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Das Bildmaterial ist (bis auf das erste Bild) von Birgit Butz - https://kindergebaerden.info/

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